Charly der Nymphensittich

Ich muussssss Euch nun einen ganz besonders treuen Kameraden vorstellen:

Er ist nicht aus dem Tierheim – aber auch durch einen ganz besonderen Zufall in mein Leben geflattert – und hat natürlich auch ein ganz besonderes Schicksal...

Charly ist ein Nymphensittich. Seit 23 Jahren ist er in meinem Leben!!!

Damals ist folgendes geschehen: mein allerliebster Wellensittich Fipsi, den ich von einer Kollegin geschenkt bekommen habe, ist im gesegneten Alter von 16 Jahren gestorben. 

Fipsi war immer zu Späßen aufgelegt, hat gesprochen und war die meiste Zeit, wenn ich zuhause war, auf meiner Schulter. Nun war er weg und ich wollte wieder einen gefiederten Freund. Ein guter Bekannter züchtete damals Wellensittiche und zu ihm ging ich mit meinem Wunsch. Habe mich auch sogleich in einen lila-farbenen Kerl verguckt und damit er nicht alleine ist, hab ich noch einen Grünen dazu genommen. Frieder und Tom ...

Kurz und gut, wir drei sind in keinster Weise in irgendeiner Form zusammen zurecht gekommen. Alle beide haben gebissen, waren auch nach einem Jahr nicht im geringsten zugänglich. Ich war traurig, verzweifelt, enttäuscht.

So und nun, durch wieder einen Bekannten erfuhr ich von einem Sittichzüchter in Feucht. Den hab ich in meiner Verzweiflung angerufen und wollte in fragen, ob er mir nicht helfen könnte, meine beiden handzahm zu machen, denn alle seine Vögel (vom Wellensittich bis zum Papagei) sind zahm, obwohl sie in Volieren leben... Er stimmte zu, es zu versuchen und so fuhr ich mit meinen Clowns zu ihm. Er war sofort von meinen wunderschönen Hähnen so begeistert, dass er mir vorschlug, sie ganz zu behalten und mir dafür zwei nestjunge, handzahme Kerlchen von ihm mit zugeben. Das muss ich mir erst überlegen, sagte ich, weil ich noch nie ein Tier als Umtauschware gesehen habe ...

Aber nichts desto Trotz schaute ich mir in seinem, als Vogelparadies umgebauten Garten die schöne bunte gefiederte Schar an.

Da fiel mir ein junger, weißer Nymphensittich allein in einer Voliere auf. "Was ist denn mit dem hier?" fragte ich ganz erstaunt.

"Na ja", sagte der Mann, "dieses Gelege ist heuer ganz früh, Ende Januar, geschlüpft. Es war noch sehr kalt. Trotz Wärmelampe sind zwei von den Kleinen zu Schaden gekommen. Einen davon hat er einer Bekannten geschenkt und dieser hier, na den bekommt auch Jemand, NUR ZUM LIEBHABEN. Er hat an einem Füßchen zwei Zehen verloren und sein Flügel ist kaputt. Er wird nie richtig fliegen können und er wird nie ein richtig schöner! Vogel sein."

Sofort war mir klar: na, dann nehm' ich doch DEN mit. Etwas skeptisch schaute er mich zuerst an und erklärte mir, dass ich aber für ihn aber einen großen Käfig brauche. Das war mir auch so klar. Ich glaube, dass er sich schwer von seinem Kaputtnix trennen konnte.

Ich fuhr nach Hause, besorgte mir eine Zimmervoliere und holte mir dann meinen neuen Kameraden.

Als ich auf dem Heimweg im Auto saß, kamen mir trotzdem die Tränen, aus Abschiedsschmerz wegen den kleinen bunten Wellensittichen Frieder und Tom. Aber ich wusste, dass sie es bei Herrn Fröhlich gut haben werden.

Es begann ein beispiellos wunderschöne Zeit mit Charly. So nannte ich den jungen Nymph.

Zu dieser Zeit fehlten im am Kopf die Federn und er war durch seinen kaputten Flügel sehr verunsichert. Mit großer Geduld und viel, viel Liebe hab ich ihm Stück für Stück Selbstvertrauen gegeben. Er wurde bald so zahm, dass ich mit Charly auf der Schulter vom Keller in den Dachboden und auch über den Hof laufen konnte. (na ja, wegfliegen war  ja nicht). Aber mit der Zeit hat er auch das gelernt. Zuerst hielt ich ihm meine Hand so hin, dass er mühelos draufklettern konnte und Tag für Tag hab ich den Abstand zu ihm vergrößert, so dass er zuerst hüpfen musste und irgendwann dazu die Flügelchen benutzen musste. Könnt Ihr meine Freude nachvollziehen, als er mir das erste Mal entgegengeflogen kam, als ich von der Arbeit nach Hause kam?

Charly kann auch sprechen. Mit einem zärtlichen ‚Guten Morgen’ werde ich jeden Früh begrüßt – auch heute noch. Sein Federkleid ist natürlich auch inzwischen perfekt: weißer Körper, gelbes Köpfchen und knall-orangerote Bäckchen.

Irgendwann hab ich ihm dann eine hübsche graue Nymphensittich-Dame dazugeholt. July war ihr Name. Sie war nie so zutraulich, wie Charly. Aber auch sie war sehr lange in meinem Leben. Auch Bobby, ein Rosella-Sittich, der sich von einem Ferienaufenthalt bei mir, in einen Dauergast verwandelt hat, ist inzwischen gestorben. Er war 19 Jahre alt.

Ich muss wohl auch nicht erwähnen, dass sich Herr Fröhlich immer freut, wenn ich ihm von Charly berichte –und er war auch sehr erstaunt, dass mir das Kunststück mit den verschiedenen Sittich-Arten gelang. Im normalen Leben in Australien sind Rosellas sehr streitsüchtig und würden einen Nymph töten, der sich in ihre Kolonie gesellen würde..

Charly ist nun 23 Jahre alt. Inzwischen sieht er nichts mehr, kommt aber damit bestens zurecht. Nur aus seiner Voliere will er nicht mehr. Ich akzeptiere das und unterhalte mich aber deswegen genauso wie immer mit ihm.

Er hat die Wesen bisher alle gekannt, die durch mein Leben schnurrten, hüpften, flatterten, gingen  - und überlebt! ... mein wahrer Lebenspartner ...

Und ich bin jeden Tag glücklich über ein zärtlich gekrächztes:

‚GUTEN MORGEN’

 

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